Veröffentlicht am 01.05.2020
Ich habe das Buch Permanent Record gelesen, in dem Edward Snowden seine persönliche Geschichte beschreibt. Es ist kein technisches Buch, fachliche Themen werden von Snowden gelegentlich allgemeinverständlich erklärt, aber es werden keine Details erörtert. Hauptthema des Buches ist Snowdens persönliche Entwicklung. Zu Beginn beschreibt das Buch seine Kindheit und Jugend, und wie er fasziniert von den damals neuen Computern und dem neuen Internet wurde. Snowden beschreibt auch das Beamten-Milieu, in dem er aufgewachsen ist. Vor diesem Hintergrund kritisiert er auch, dass staatliche Aufgaben weniger von Beamten wahrgenommen werden, sondern immer mehr an Auftragsfirmen und deren Zeitarbeiter ausgelagert werden.
Snowden war lange Zeit einer dieser Arbeiter. Er erzählt die Geschichte seiner Karriere. Im Verlaufe seiner Karriere wurde ihm immer mehr bewußt, dass die neuen Staatsdiener immer weniger dem Staat und der Verfassung Rechenschaft schulden, eine Eigenschaft, die Snowden in seiner Jugend im Beamten-Milieu erfahren hatte, sondern sich nur an ihren Aufrägen orientieren. Und Snowden kritisiert, dass diese beiden Ziele nicht immer zueinander passen. Es gibt eine sehr schöne Anekdote im Buch, die das verdeutlicht: Snowden arbeitete in einem Büro, in dem es kein Papier geben durfte und alles Ausgedruckte nach dem Lesen geschreddert werden musste. In dieser Umgebung las Snowden dann in der Mittagspause ein Buch mit der US-Verfassung.
Der letzte Teil behandelt dann seine Flucht und die Veröffentlichung seiner Dokumente, wie er in Hongkong auf Journalisten wartet, die dann schließlich Citizenfour drehen. Ein Kapitel entstammt den Tagebuchaufzeichnungen seiner Freundin. Während die ersten Teile eher kritisch hinterfragend sind, ist dieser Teil gefühlsbetonter.
Veröffentlicht am 17.04.2020
Der Film Unterleuten wurde mir beim Freiburger Mensa-Treffen im März empfohlen. Er ist ein Dreiteiler, der im ZDF lief und immer noch in der Mediathek abrufbar ist. Der Film handelt von einem Dorf in der brandenburgischen Provinz, in dem, als eine Firma Windkrafträder aufstellen will und dafür Gebiete sucht, alte Konflikte aufbrechen, Konflikte zwischen Alteingesessenen und Neuzugezogenen, aber auch Feindschaften, die seit Jahrzehnten zwischen den Bewohnern gepflegt werden. Die Filmreihe ist sehr interessant, wenn auch etwas düster am Ende. Aber die Empfehlung war ja, dass es ein sehr psychologischer Film ist.
Im Wikipedia-Artikel zur Romanvorlage habe ich dann gelesen, dass im Roman jedes Kapitel aus der Sicht einer anderen Person erzaählt wird. Das hat mich interessiert, weswegen ich das Buch gekauft und gelesen habe. Und natürlich habe ich die Version des Buches gewählt, bei der nicht die Schauspieler aus dem Film auf dem Cover sind.
Das Buch hat die Erwartungen erfüllt. Durch die Erzählweise werden die unterschiedlichen Perspektiven viel verständlicher, es werden auch mehr Hintergründe zu den einzelnen Personen gegeben. Und die Bewertung der Personen ändert sich, wenn man das Buch liest. Die Hintergründe erklären ja, wie die Leute zu denen wurden, die sie jetzt sind.
Was ich mich dann frage, ist, ob das Buch ein Appell zu mehr Toleranz ist. Des weiteren ist das Buch auch ein Beispiel für confirmation bias, denn die meisten Personen interpretieren die Geschehnisse immer als Bestätigung ihrer bisherigen Sichtweise, ohne zu hinterfragen, ob es auch anders sein könnte.
Veröffentlicht am 10.04.2020
Ich bin jetzt auch mit den letzten Harry Potter-Büchern fertig. Achtung Spoiler…
Ist natürlich ein trauriges Ende.
Hier hat mich wieder gestört, dass alles so willkürlich und unvohersehbar ist. Wenn die Protagonisten in einer schwierigen Lage sind, erscheint von irgendwo auf einmal jemand oder etwas und hilft, die Figuren aus dieser Lage zu befreien. Andere werden das als Magie bezeichnen, mich hat es eher genervt.
Veröffentlicht am 22.03.2020
Zwei Bücher von Christoph Biermann über Fußball. Beide Bücher beschreiben die Versuche, Fußball besser verständlich und vorhersagbar zu machen.
Die Fußball-Matrix stammt aus dem Jahr 2009. Er beschreibt die Geschichte von Billy Beane, bekannt aus dem Buch und Film Moneyball, und die Versuche, derartiges auf Fußball zu übertragen. Hieraus entsteht eine interessante Sammlung von Anekdoten und Geschichten. Leider haben sich auch einige Widersprüche ins Buch geschlichen. So schreibt er, dass in Europapokalrückspielen die Heimmannschaft einen Vorteil in einem etwaigen Elfmeterschießen habe (S.82), während ein paar Seiten später steht, dass die Chancen fast gleich sind (S.87). Und auch, dass vier von fünf Elfmetern verwandelt werden (S.83), aber ein paar Seiten später entsprechen 74 % der im Elfmeterschießen verwandelten Elfmeter dem Schnitt im Spiel (S.87).
Man merkt dem Buch sein Alter an, nicht nur, wenn Spieler erwähnt werden, die schon längst ihre Karrieren beendet haben, sondern auch, da die Analyse des Fußballs zur Zeit des Schreibens erst im Entstehen war.
Matchplan ist ein deutlich aktuelleres Buch, es stammt aus dem Jahr 2018. Es ist deutlich kritischer, so beginnt ein Kapitel mit der Aussage: “Fußball mit Hilfe von Statistiken und Daten besser verstehen zu wollen, führte in eine Sackgasse.” (S.122) Im Vergleich zum ersten Buch werden viel mehr Sachen hinterfragt. Deswegen gefällt mir dieses Buch besser. Sehr interessant fand ich den psychologischen Test, der in einem Kapitel übder den dänsichen Verein FC Midtjylland vorgestellt wurde. Nach einem Online-Test bin ich sehr blau, mit etwas grün. Wie zu erwarten war ;-).
Zudem wird auf den letzten Seiten ein Loblied auf den SC Freiburg angestimmt. Allein dafür lohnt es sich, das Buch zu lesen.
Veröffentlicht am 19.03.2020
Ich lese gerade endlich auch mal die Harry Potter Bücher, ich bin halt ganz nah dran, was die Kids heute so machen. Hier mal meine Einschrätzungen so weit, Achtung Spoiler:
Hat mir gefallen, besonders Hagrid ist mein Liebling.
OK
Bisher mein Lieblings-Teil.
Die ganze Geschichte mit dem Turnier ist doch eigentlich vollkommen unnötig. Ich fand, dass sich das Buch dadurch etwas zieht.
Das letzte Drittel hat mir gefallen, die ersten zwei Drittel waren zu viel bürokratischer Kampf. Also ein Konflikt, der über ministerielle Dekrete ausgefochten wird, ist nicht so interessant.
Vielleicht bin ich insgesamt etwas zu logisch für die Bücher. Es kommt ja immer vor, dass irgendein unerwarteter Zauber eintritt. Zum Beispiel gibt es einen Zauber, mit dem man Türen verschließen kann. Dann gibt es aber Sirius Messer, mit dem man auch diese Türen öffnen kann. Dann gibt es aber trotzdem Türen, die dieses Messer nicht öffnen kann. Vielleicht stört es mich, dass die Welt in Harry Potter dadurch nicht erwartbar ist, vielleicht ist es das, dass andere an den Büchern so schätzen.